Und die Figuren bewegten sich in Gedanken mit

Erstellt von Gerhard R. am
Welttag der Bildung in Vorchdorf rundum das Schulfresko von Erwin Lang

Welttag der Bildung beim Schulfresko – wenn das Erwin Lang noch erlebt hätte

Einen besonders lebendigen Welttag der Bildung erlebten zahlreiche Besucher am 24. Jänner 2026 im Eingangsbereich der Mittelschule. Seit den 1940er-Jahren hat sich dieser Ort kaum verändert – ebenso wenig wie das monumentale Wandfresko des Künstlers Erwin Lang, das die Jahrzehnte nahezu unversehrt überstanden hat. Ganz im Zeichen dieses Kunstwerks stand die Veranstaltung, die vom Bildungs- und Kulturausschuss der Gemeinde initiiert wurde.

Bewegende Schüleraufsätze

Schüler der Volks- und Mittelschule waren eingeladen, Aufsätze zum Thema „Was mir das Fresko erzählt“ zu verfassen. Insgesamt wurden 28 Beiträge eingereicht. Jeder Aufsatz wurde mit einem kleinen Preis gewürdigt, die Siegerinnen und Sieger – Rosa Hörtenhuber (4a VS Vorchdorf), Ludwig Radner (4a VS Pamet), René Weber (2c MS) und Leonie Ohler (3a MS Vorchdorf) – präsentierten ihre Texte direkt vor dem Fresko.

Dabei zeigten die Kinder viel Fantasie: Die gemalten Figuren erhielten Namen und Gefühle, erwachten nachts zum Leben, bewegten sich und trieben Unfug. Leonie Ohler etwa staunte in ihrem Beitrag darüber, dass das Bild sogar den Zweiten Weltkrieg überstanden habe. Sie beschrieb die dargestellten Erwachsenen als glücklich und lebensfroh und kam zu dem Schluss: „Sie sind dankbar für das, was sie besitzen. Es reichen die kleinen Dinge.“

Hochkarätige Fachvorträge

Sichtlich berührt nahm Bruno Schernhammer diese Gedanken auf. Er zeigte sich überzeugt, dass Erwin Lang über die Aufsätze der Kinder tief bewegt gewesen wäre – galt der Künstler doch als Meister von Bildern, die scheinbar in Bewegung geraten. In einem ausführlichen Vortrag schilderte Schernhammer seine Recherchen zum Fresko und zum bewegten Lebensweg seines Schöpfers. Trotz seiner Einstufung als „Halbjude“ erhielt Lang damals den Auftrag – und setzte ihn auf seine ganz eigene Weise um. Bewusst widersetzte er sich den ästhetischen Vorgaben der NS-Zeit. Schernhammer betonte zudem Langs prägende Erfahrungen nach dem Ersten Weltkrieg: Nach einer Kriegsgefangenschaft in Sibirien lebte Lang mehrere Jahre in China, wo er fernöstliche Drucktechniken kennenlernte, die sein späteres Werk nachhaltig beeinflussten.

Auch der bekannte Vorchdorfer Galerist und Kunstkenner Erich Spitzbart, der Erwin Lang kürzlich eine Ausstellung in der Galerie Schloss Hochhaus gewidmet hatte, war anwesend. Er erläuterte kurz die Technik des Freskos: Der Begriff stammt vom italienischen „fresco“ (frisch) und bezeichnet eine Wandmalerei, bei der die Farben auf noch feuchten Kalkputz aufgetragen werden.

Architekt Raimund Dickinger zeigte auf, wie das großflächige Fresko im Zuge des geplanten Schulumbaus fachgerecht abgenommen und gesichert werden könnte. Er verwies dabei auf das Beispiel der Wandmalereien von Max Weiler am Innsbrucker Hauptbahnhof, die ebenfalls erfolgreich demontiert und mit Platten sowie Stahlrahmen gesichert wurden. So könne das Fresko nicht nur den Zweiten Weltkrieg, sondern auch den Umbau der Schule überstehen. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss zur bestmöglichen Erhaltung hatte der Vorchdorfer Gemeinderat bereits 2025 gefasst.

Exklusive Buchpräsentation

Den dritten und abschließenden Teil des Welttags der Bildung gestaltete der Vorchdorfer Heimatforscher Rudi Hüttner mit der Präsentation seines neuen Buches „Zeitenwende in Vorchdorf 1945“. Im Gebäudetrakt der Veranstaltung befand sich zwischen Sommer 1944 und 1945 ein Luftwaffenlazarett, in dem sowohl Wehrmachts- als auch alliierte Soldaten behandelt wurden. Einer von ihnen war der US-Amerikaner Reece Stephenson, dessen Nachfahren sich Jahrzehnte später per E-Mail an das Rote Kreuz wandten.

Ausgehend von Fotos und Informationen, die 80 Jahre nach Kriegsende ihren Weg zurück nach Vorchdorf fanden, begab sich Hüttner auf eine interkontinentale Spurensuche. Das Ergebnis ist ein eindrucksvolles dreiteiliges Werk mit den Kapiteln „Die letzten Kriegstage“, „Das Luftwaffenlazarett“ und „Der Soldat Reece Stephenson“. Zum Abschluss der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Gelegenheit, sich das Buch persönlich signieren zu lassen. Interessierte können das Werk direkt bei Rudolf Hüttner erwerben oder sich vormerken lassen (Tel. 0664 7358 4212).

 

Bericht: vorchdorfmedia // Fotos Gerhard Radner, Willi Hitzenberger

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Gemeinde